Die Baumeister der Natur

Viele Menschen glauben heute, dass die Erzählungen über Naturwesen – über Elfen, Gnome oder Nixen – in eine ferne Märchenwelt gehören, die mit unserer modernen Realität nichts mehr zu tun hat. Andere wiederum suchen wieder nach ihnen, überzeugt, dass da mehr ist.
Beiden sei eine Frage gestellt: Was, wenn diese sogenannte Märchenwelt die eigentliche Wirklichkeit ist – eine reichere, lebendigere Wirklichkeit, die uns erst zum bloßen Märchen wurde, als wir den Zugang zu ihr verloren?
Wir selbst waren es, die einst in dieser lebendigen Welt zu Hause waren. Durch die zunehmende Verdichtung und Einseitigkeit unseres Verstandes sind wir schlichtweg aus ihr herausgefallen.
Ein kühler Rationalismus hat die Reste dieses Wissens in uns fast vollständig verdrängt. Unser Intellekt hat den Blick für das Feine getrübt und uns in eine Welt isoliert, die wir heute fälschlicherweise für die einzige Realität halten – eine oft kalte, leere Welt in einem vermeintlich zufälligen Universum.
Für all jene, die nun wieder nach einer Verbindung suchen, soll hier versucht werden, eine klare Ordnung in die Gedanken zu bringen.
Was in der Natur geschieht, ist uns nicht fremd
Das, was sich in der Natur vollzieht, ist uns in seinem Kern gar nicht so fremd, wie es zunächst scheint.
Wenn Sie die Entwicklung einer Pflanze oder die Entstehung eines Tierkörpers betrachten, begegnen Sie dort denselben Prozessen, die Sie auch aus dem menschlichen Schaffen kennen – sei es in der Industrie, im Handwerk oder in der Kunst. Nichts entsteht durch Zufall.
Hinter jeder sichtbaren Form steht ein immenser, hochspezialisierter Aufwand wesenhafter Kräfte. Diese Naturwesen vollbringen im Grunde genau das, was wir bei einer großen Erfindung beobachten: Es beginnt mit der Planung und dem Entwurf, geht über in das Tüfteln und den eigentlichen Bau, bis hin zum Ausrollen der Idee in die materielle Welt.
Jede Blüte, die sich öffnet, und jeder Tierkörper, der heranreift, ist das Ergebnis dieser unermüdlichen Arbeit.
Es gibt Wesenheiten, die für die erste Formgebung zuständig sind, andere, die die feinen Details verfeinern, und wieder andere, die für die Erhaltung und Pflege des Geschaffenen sorgen. Sie sind die unsichtbaren Architekten und Handwerker, die die Materie beleben und ordnen.
Auch die Baumeister lernen
Ein besonders wichtiger Aspekt dabei ist, dass auch diese wesenhaften Baumeister Lernende sind. Sie produzieren nicht einfach nach einem starren Plan, sondern müssen den Umgang mit der hiesigen Materie selbst erst entwickeln und vervollkommnen.
Sie lernen im Tun, wie sie ihre hohen Ideen in die Dichte unserer Erdenwelt umsetzen können. In dieser ständigen Bemühung, die Form noch reiner und schöner zum Ausdruck zu bringen, liegt der eigentliche Motor der Evolution.
Die Entwicklung, die wir in der Natur bestaunen, ist also immer auch die Frucht der Eigenentwicklung dieser Wesenheiten.
Dabei ist zu verstehen, dass diese Naturwesen den untersten Teil einer gewaltigen Kette wesenhaften Wirkens bilden. Auch wenn wir sie aufgrund ihrer schöpferischen Tätigkeit als Schöpfer bezeichnen können, sind sie doch Glieder einer Ordnung, die bis in die höchsten Höhen reicht.
Sie sind Diener und Arbeiter, die im Auftrag einer höchsten Instanz schaffen. Aus diesen lichten Höhen empfangen sie über die Kette hinweg jene Impulse und Ideen, die sie hier unten in die Tat umsetzen.
Das Geheimnis der Strahlung
Das entscheidende Verständnis zum Begreifen dieser Vielfalt liegt in der Art der Strahlung.
So wie Sie in Ihrem Alltag zwischen verschiedenen Materialien und Werkzeugen wählen, so arbeiten diese wesenhaften Kräfte mit unterschiedlichen Strahlungsdichten – für sie selbst stellt sich alles als reine Strahlung dar.
Man kann sich leicht vorstellen, dass die Kraft des Feuers feiner und beweglicher ist als die der festen Erde oder des Wassers. Aus dieser eigenen Dichte folgt ganz natürlich ihre Spezialisierung auf den entsprechenden Bereich.
Die Vielfalt, die Sie in der Natur bestaunen, ist nichts anderes als das sichtbare Zeugnis für die unendliche Vielfalt dieser spezialisierten Baumeister. Sie sorgen dafür, dass die Eigenart jeder Art besonders hervortritt.
Nicht jede Pflanze wird zu jeder Zeit direkt betreut – doch wo dies geschieht, wirkt sie gesünder, kräftiger und vollkommener in ihrem Typus.
Wenn Sie die Natur mit diesem Wissen betrachten, schließt sich der Kreis: Sie blicken nicht auf eine tote Kulisse, sondern auf ein hochaktives, bewusstes Wirkungsfeld, in dem jede Strahlungsart ihre eigenen Experten hat, die das Große Ganze im dienenden Auftrag formen, bewahren und dabei selbst über sich hinauswachsen.