Schutz

Zu erkennen, dass wir uns auf dem falschen Weg befinden, ist oft äußerst schmerzhaft. Dieses Leiden kann aus den Folgen eigener Irrtümer erwachsen – oder wir empfinden es als Ergebnis der Fehler und Verfehlungen anderer. In einem solchen Moment der Erschütterung gleicht die Seele einem frisch umgebrochenen Acker. Bevor sie neue Wege beschreiten kann, braucht sie einen Raum der Sicherheit. Deshalb müssen wir über Schutz sprechen.

Dabei geht es nicht nur um äußere Zuflucht und Mauern, sondern in erster Linie um den Schutz der Seele, der Psyche. So wie der Körper ein Haus oder eine Hütte braucht, um vor den Unbilden der Witterung sicher zu sein, so braucht auch unser inneres Wesen eine Form der Geborgenheit. Dieser seelische Schutz ist kein Zufallsprodukt, sondern unterliegt bestimmten Bedingungen und besitzt eine klare Form.

Schutz kann uns durch Mitmenschen im Außen gewährt werden, doch die eigentliche Stütze findet auf einer feinstofflichen Ebene statt. Viele Menschen sprechen in diesem Zusammenhang von Engeln. Treffender ist es jedoch, von geistigen Helfern zu sprechen – menschlichen Seelen aus dem Jenseits, jener Sphäre, welche die unsrige durchdringt.

Dieser Schutz wird nicht aufgezwungen. Er erfolgt auf Anfrage, als Antwort auf eine aufrichtige Bitte oder ein Gebet – sei es von der betroffenen Person selbst oder von jemandem, der stellvertretend für sie bittet. In einem solchen Moment kann dem Suchenden für eine gewisse Zeit ein Helfer zur Seite gestellt werden, um ihn zu unterstützen und zu stärken. Dabei bleibt ein Gesetz unantastbar: die Freiheit des Individuums. Ein geistiger Schutz ist niemals ein Gefängnis. Wenn der beschützte Mensch sich aus freiem Willen dazu entscheidet, den geschützten Raum – sei es gedanklich oder handelnd – zu verlassen, so tritt auch der Schutz zurück. Er begleitet uns nur so weit, wie wir es zulassen.

Dieser Schutzgedanke lässt sich von der Seele auf unsere unmittelbare Umgebung ausweiten, auf unsere Wohnungen und Häuser. Wir neigen dazu zu glauben, dass unsere festen Wände und verschlossenen Türen uns Privatsphäre garantieren. Doch für die Wesenheiten der jenseitigen Erdsphäre existieren diese grobstofflichen Hindernisse nicht; sie können unsere Räume im Normalfall ungehindert betreten.

Hier setzt die Kraft der bewussten Bitte an. Durch ein Gebet oder den aufrichtigen Wunsch nach Schutz kann ein Vorgang ausgelöst werden, der einer geistigen Abschottung gleichkommt. In diesem Fall wird tatsächlich eine feinstoffliche Wache aufgestellt – einer oder mehrere Helfer legen eine energetische Hülle um das Haus. In diesem Zustand ist der Raum selektiv; nur noch jene Kräfte und Wesen finden Einlass, die dem lichten Ziel des Schutzes entsprechen. Ein solcher Schutz dient dazu, dem Menschen ein Refugium zu schaffen – einen Raum der Stille, in dem Heilung und Neuorientierung erst möglich werden.

Wenn wir uns von unserem bisherigen Tun abwenden wollen, bedeutet das nicht, dass alle Fäden zur Vergangenheit sofort abgerissen sind. Denken wir an einen Menschen, der sich aus einer Abhängigkeit von Drogen oder Alkohol lösen möchte: Auch wenn der aufrichtige Wunsch nach Veränderung da ist, bleiben gedanklich und oft auch im irdischen Umfeld Verbindungen bestehen, die ihn immer wieder in die alten Bahnen zurückziehen wollen. Sogenannte „alte Freunde“ oder gewohnte Gedankenmuster versuchen, den Suchenden wieder zu Fall zu bringen.

Genau hier wird erkennbar, wie lebensnotwendig der geschützte Raum ist. In dieser Phase kann für eine gewisse Zeit nichts an den Menschen herantreten, was er nicht unmittelbar selbst herbeisehnt. Es ist eine Phase der Isolation vom Alten, die der Erholung dient. Hier kann die Seele zur Ruhe kommen, sich sammeln und erstarken.

Erst aus dieser neugewonnenen Kraft heraus wird es möglich, später wieder auf die alten Einflüsse oder Personen zu treffen und ihnen in „freundlicher Sicherheit“ die Stirn zu bieten. Der Schutz gewährt uns also die Zeit, eine innere Festigkeit aufzubauen, die wir in der ersten Stunde unserer Schwäche noch nicht besitzen konnten. So wird der Schutz zum Fundament, auf dem der Mensch lernt, wieder aufrecht und aus eigener Kraft in der Welt zu stehen.

Wichtig ist zu verstehen, dass in diesem gesamten Geschehen alles Hand in Hand geht. Es gibt hier keinen Widerspruch und keine Trennung, sondern ein fließendes Ineinanderwirken auf jeder Ebene. Äußerlich gesehen finden wir Unterstützung durch Menschen, die helfen wollen und es gelernt haben, sowie durch Einrichtungen wie Krankenhäuser, Kurstätten und Organisationen, die körperliche und seelische Hilfe strukturiert anbieten.

Gleichzeitig wird all dieses irdische Bemühen von den geistigen Prozessen und Helfern durchwoben und gestützt. Das bewusste Verständnis, dass beide Seiten an diesem Vorgang beteiligt sind, lässt die Hilfe noch stärker und besser werden. Wenn das irdische Handeln und das geistige Wirken bewusst Hand in Hand gehen, entsteht eine Kraft, die den Menschen in seiner Gesamtheit trägt.