30 Jahre unter den Toten

Es gibt Bücher, die sich nicht leicht einordnen lassen, und das Werk Dreißig Jahre unter den Toten von Carl Wickland gehört dazu. Wickland war ein amerikanischer Arzt, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts gemeinsam mit seiner Frau, einem Medium, hunderte von Patienten behandelte, deren seelische und körperliche Leiden er nicht auf gewöhnliche Krankheitsursachen zurückführte – sondern auf den Einfluss erdgebundener Geister.

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Was zunächst befremdlich klingen mag, entfaltet sich im Laufe des Buches zu einem erstaunlich konsequenten Bild: Menschen, die nach ihrem Tod nicht weitergehen konnten – aus Unwissenheit, Anhaftung, Schock oder Verzweiflung – verbleiben in der Nähe der Lebenden und beeinflussen, oft ohne es selbst zu wissen, deren Gedanken, Stimmungen und Handlungen. Wickland dokumentiert Fall um Fall, wie sich diese Verstrickungen lösen ließen, sobald der Geist erkannte, in welcher Lage er sich befand.

Das Werk ist damit weder reine Spukgeschichte noch trockene Theorie, sondern etwas Drittes: ein Erfahrungsbericht aus einer Praxis, die es so vermutlich nie wieder gegeben hat – und der, wenn man sich auf ihn einlässt, eine ungewöhnlich klare Sicht auf das Verhältnis von Lebenden und Verstorbenen eröffnet.

Über diese Ausgabe
Das Werk erscheint nach und nach – Woche für Woche stelle ich ein bis zwei neue Kapitel online. Die einzelnen Teile sind gesprochen teils bis zu einer Stunde lang, und ich glaube, dass es dem Werk guttut, in Ruhe und in Etappen gelesen oder gehört zu werden.

Stand der Veröffentlichung

Inzwischen sind das Vorwort, der Prolog sowie die ersten drei Hauptkapitel – Seelenkundliche Forschungen, Unterbewußtsein und Auto-Suggestion und Verhältnisse in der Erdsphäre – online verfügbar. In dieser Woche kommt das vierte Kapitel hinzu: Quälgeister – Ehestörungen. Es lohnt sich also, hin und wieder vorbeizuschauen, ob ein neuer Teil hinzugekommen ist.

Zur Bearbeitung
Ich habe den Text in zweifacher Hinsicht behutsam überarbeitet. Zum einen habe ich die Sprache leicht modernisiert, denn das Original ist sprachlich deutlich in seiner Zeit verwurzelt und wirkt heute mitunter umständlich. Zum anderen – und das ist die größere Veränderung – habe ich die zahlreichen Dialoge mit den Geistern zusammengefasst, statt sie wörtlich wiederzugeben.

Warum diese Entscheidung?

Die Gespräche mit den Geistern selbst sind, wenn man ehrlich ist, nicht prophetisch oder erleuchtend – sie sind in vielen Fällen schlicht profan. Man begegnet dort verwirrten, festgefahrenen, manchmal trotzigen Wesen, deren Worte für sich genommen wenig Erkenntnis bringen.

Worum es Wickland aber wirklich geht – und worum es auch mir bei dieser Ausgabe geht – ist etwas anderes: nämlich verständlich zu machen, wie es überhaupt zu solchen Störungen kommt, wie diese eigentümlichen Krankheitsbilder durch die Einflussnahme erdgebundener Geister entstehen, und wie sich Mensch und Geist in dieser Verflechtung gegenseitig bedingen. Der Wert des Werkes liegt nicht in dem, was die Geister sagen, sondern in dem, was ihre Existenz und ihr Wirken über die Natur des Menschen, seines Bewusstseins und seiner verborgenen Verletzlichkeit offenbart.

Wer das im Hinterkopf behält, wird beim Lesen leichter den roten Faden finden – und wird, davon bin ich überzeugt, viel mitnehmen.

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